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Was ist Menschenhandel?
Unter Menschenhandel versteht man die Rekrutierung, Beförderung, Verbringung, Beherbergung oder Aufnahme von Menschen durch Gewalt, Betrug oder Täuschung mit dem Ziel der gewinnbringenden Ausbeutung.
Menschenhandel und Kinderhandel sind in Österreich als Tatbestand unter § 104a StGB, Österreichisches Strafgesetzbuch definiert:
"Wer eine Person mit dem Vorsatz der Ausbeutung (sexuelle Ausbeutung, Ausbeutung durch Organentnahme, der Arbeitskraft, zur Bettelei, zur Begehung strafbarer Handlungen) unter Einsatz unlauterer Mittel (Gewalt, gefährliche Drohung, Täuschung, Ausnützung einer Autoritätsstelle / Zwangslage / Wehrlosigkeit, Einschüchterung oder Gewährung oder Annahme eines Vorteils für die Übergabe der Herrschaft über die Person) anwirbt, beherbergt, aufnimmt, befördert, anbietet oder weitergibt (Handlung), wird mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft."
Was ist Kinderhandel?
Nach internationalen Standards, insbesondere nach dem "Protocol to Prevent, Suppress and Punish Trafficking in Persons, especially Women and Children" (Palermo-Protokoll), wird Kinderhandel wie folgt definiert: Kinder werden unter falschen Versprechungen oder durch Zwang in die Hände von Menschenhändlern gebracht. Sie werden über nationale oder internationale Grenzen hinweg transportiert und an andere Personen oder Gruppen übergeben. An bestimmten Orten werden die Kinder festgehalten, entweder um sie auszubeuten oder um sie an andere Menschenhändler zu verkaufen.
Im Falle von Kinderhandel ist das kriminelle Delikt allein durch eine „Handlung“ sowie den „Ausbeutungszweck“ gegeben. Internationale Definitionen berücksichtigen, dass Kinder nicht in der Lage sind, die Gefahren durch den Einsatz unlauterer Mittel einzuschätzen. Erwachsene könnten theoretisch eine unlautere Absicht erkennen, wenn sie entsprechend informiert sind. Kinder hingegen wachsen oft in ausbeuterischen Gewaltstrukturen auf, in denen selbst Angehörigen in die Ausbeutung involviert sein können. Kinder können das Unrecht nicht zum selben Ausmaß einschätzen, da sie üblicherweise den Anweisungen von Eltern oder Bezugspersonen folgen.
Kinderhandel ist ein schwerwiegendes Verbrechen und eine Menschenrechtsverletzung, die weltweit bekämpft wird. Die Rechte der Betroffenen von Kinderhandel auf Schutz, sichere Umgebung und Ausbildung werden dabei vielfach verletzt. Internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen (UN), das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) sowie eine Vielzahl an NGOs setzen sich aktiv für die Bekämpfung des Kinderhandels und den Schutz der betroffenen Kinder ein.
Wie werden Betroffene ausgebeutet?
Am häufigsten werden Betroffene von Menschenhandel durch sexuelle Ausbeutung, Arbeitsausbeutung, Schuldknechtschaft, ausbeuterische Hausarbeit, Organentnahme, Ausbeutung zur Bettelei, als Kindersoldaten, durch Zwangsheirat oder zur Begehung krimineller Delikte ausgebeutet. International sind die häufigsten Ausbeutungsformen die sexuelle Ausbeutung und die Arbeitsausbeutung bzw. Zwangsarbeit[p1] .
Ab 2024 werden in der EU auch ausbeuterische Leihmutterschaft und illegale Adoption in die neue EU-Richtlinie gegen Menschenhandel aufgenommen. Mit den aktualisierten Regelungen reagiert die EU auf neue Arten der Ausbeutung von Menschen, verschärft die strafrechtlichen Sanktionen, nimmt die EU-Staaten sowie auch der/die einzelne Konsument:in stärker in die Pflicht und baut insbesondere der Opferschutz weiter aus.
Betroffene Kinder sind denselben Ausbeutungsformen ausgesetzt wie Erwachsene: sie werden in der Prostitution ausgebeutet, gegen ihren Willen verheiratet oder illegal adoptiert. Sie sind billige oder unbezahlte Arbeitskräfte, arbeiten als Hausdiener*innen, als Bettler*innen oder werden in bewaffneten Konflikten als Kindersoldat*innen eingesetzt.
Wer sind die Betroffenen?
Jedes Jahr werden in der EU über 7.000 Opfer von Menschenhandel registriert. Eine signifikante Zahl der Opfer von Menschenhandel ist jünger als 18 Jahre alt und gelten damit gemäß UN-Kinderrechtskonvention als Kinder im Sinne einer besonderen Schutzwürdigkeit, insbesondere vor Gewalt und Missbrauch. 2 von 3 Opfern des Menschenhandels sind Frauen und Mädchen. Minderjährige machen etwa 25 % der Fälle in der EU und etwa 35% international aus (UNODC). Österreich gilt als Transit und Zielland von Menschenhandel. Die meisten Opfer kommen aus Osteuropa, gefolgt von Afrika und Asien. Internationale Organisationen wie UNODC, ILO, IOM sowie auch die EU veröffentlichen in regelmäßigen Abständen Berichte sowie Daten zu Menschenhandel.
In den letzten 20 Jahren ist der Anteil identifizierter Männer und insbesondere identifizierter, minderjähriger Betroffener stark gestiegen, während der Anteil der Frauen gesunken ist. Dies liegt daran, dass der Fokus von Behörden und Bewusstseinskampagnen lange Zeit vor allem auf sexuell ausgebeutete Frauen gerichtet war. Männer und Kinder wurden erst später sukzessive in den Blick genommen.
Besonders gefährdet sind Mädchen, Kinder von ethnischen Minderheiten, staatenlose Kinder und Flüchtlingskinder. Das Risiko steigt, wenn niedriger Bildungsgrad, familiäre Gewalt, Suchtverhalten, fehlende Perspektiven und schwache Kinderschutzstrukturen im Land zusammentreffen.
Weitere Ursachen für Kinderhandel
Viele Kinder verlassen ihren Heimatort, um ihren ärmlichen Verhältnissen zu entkommen oder um ihre Familien finanziell zu unterstützen. Oft werden sie selbst oder ihre Eltern mit falschen Versprechungen von Ausbildung oder gut bezahlten Jobs gelockt. Manche Kinder werden auch einfach aus ihren Dörfern oder Städten entführt und wie Ware verkauft. Angehörige sind dabei oft direkt beteiligt oder in die Ausbeutung verwickelt.
Unbegleitete Kinder auf der Flucht verschwinden sehr oft aus Erstaufnahmezentren oder anderen Einrichtungen. In Österreich sind 2024 über 95 % der geflüchteten Kinder (Asylstatistik) verschwunden. Es ist davon auszugehen, dass ein gewisser Anteil an verschwundenen Kindern auch von Menschenhändler*innen rekrutiert und verschleppt wird.